Endlich nach so langer Zeit konnten wir die Trinationale Woche wieder durchführen. 

In diesem Jahr war die Europaschule Gymnasium Gommern mit der Organisation und Durchführung an der Reihe. 
Dank der finanziellen Unterstützung des Deutsch-Polnischen-Jugendwerks konnten wir eine tolle Woche auf die Beine stellen. 

 

 

Samstag, 15.10.2022

Die Aufregung steigt – gerade kam die Nachricht, dass die polnischen Gäste in etwa einer Stunde an der Schule sein werden. Wie wird mein Gastkind sein? Werden wir uns verstehen (persönlich und sprachlich)? Ist das Gastkind cool? ….  Fragen über Fragen, aber jetzt gibt es kein zurück mehr. Aber ich freue mich auch sehr und bin neugierig, wie es wird.

Dann endlich auf dem Parkplatz vor der Schule, der Bus aus Polen fährt ein. Wir deutschen Schüler warten gespannt auf das Aussteigen der Gäste. Die warten mit dem Ausstieg – sie sind vielleicht genauso aufgeregt? Nach kurzer Zeit steigen nun doch alle aus. Sie holen ihre Koffer und stellen sich im Halbkreis auf – nun folgt die Zuordnung. Ein polnischer Name und ein deutscher Name – dann aufeinander zugehen – zaghaft begrüßen und erstmal mit dem Gastkind nach Hause.

Gleich nach den ersten gewechselten Worten war die Aufregung vorbei. Zuhause angekommen hieß es erstmal Koffer auspacken und ankommen. Kurz im Haus zurechtfinden, ein wenig Essen und Trinken und dann ging es ab zum Treffen mit den anderen deutschen und polnischen Kids. Der Nachmittag und Abend sollten zum Beschnuppern und Kennenlernen genutzt werden.

Es dauerte nicht lange bis aus zwei kleinen Gruppen eine große Gruppe wurde und wir stellten nach kurzer Zeit fest, wie viele Gemeinsamkeiten wir über die Nationalität hinaus vorhanden sind.

Die ungarischen Gäste kamen auf Grund der Entfernung erst am frühen Abend, so dass wir die Schüler aus Ungarn noch nicht kennenlernen konnten.
Die deutschen Gastgeber der Ungarn waren jedoch viel entspannter, da die Schüler und ihre Gastkinder bereits vor der Ankunft Kontakt via WhatsApp und Instagram hatten und somit schon einige Dinge über ihre Gäste wussten und sich auf dem Parkplatz direkt erkannt und in die Arme geschlossen haben.

 

Sonntag, 16.10.2022

Tag der Familie – so der heutige Schwerpunkt. Die Familien haben sich Gedanken gemacht, was sie mit dem Gastkind unternehmen wollen. Ein Besuch im Stadtpark, einen Stadtbummel mit Sightseeing in Magdeburg, Bowling und Spaß, Pilze sammeln im Wald usw.
Die Unternehmungen waren sehr vielfältig. Zum Abend trafen wir Kids uns aber wieder als Gruppen und ließen den Sonntagabend bei tollen Gesprächen ausklingen.

Die Lehrerinnen und Lehrer aller drei Länder machten sich auch einen schönen Tag und besprachen den Ablauf der kommenden Woche. Nach einem gemeinsamen Frühstück zeigten die deutschen Lehrerinnen den Gästen den Stadtpark in Magdeburg, den Elbauenpark mit dem Jahrtausendturm und den Besuch des Museums. Den Abend beendeten die Lehrer bei Frau Frentzel zuhause ihren Tag mit einem Barbecue.

 

Montag, 17.10.2022

Der Schultag beginnt morgens um 8 Uhr – also für den Rest der Schüler am Gymnasium. Wir starteten um 8:30 Uhr mit der offiziellen Begrüßung durch die Schulleiterin. Zudem stellten die Lehrer uns die Projekte und den geplanten Ablauf der Woche vor. Direkt anschließend zeigten wir den polnischen und ungarischen Gästen unsere Schule, ehe sie ab 10:00 Uhr gemeinsam mit uns in kleinen Gruppen an unterschiedlichen Unterrichtsstunden teilnehmen.

Nach dem Mittagessen in der Schulmensa ging es zum Bahnhof und mit dem Zug ab nach Magdeburg. Dort warteten drei Stadtführer auf uns, die unsere geteilte Gruppe auf Deutsch, Ungarisch und Englisch die Stadtgeschichte der Magdeburger Innenstadt etwas näherbrachten. Eineinhalb Stunden können interessant, aber auch sehr lang sein.
Aber wir wussten ja, dass nach der Stadtführung die Freizeit kommt. Hier konnten wir Kids selbst entscheiden, was wir unternehmen. Einige von uns sind nach Hause und haben in kleinen Gruppen gemeinsam gekocht, einige waren noch ein bisschen in der Stadt bummeln und eine Gruppe hat sich aus einem Escape-Room gerätselt.
Es war ein toller Tag mit vielen Eindrücken, Gesprächen und gemeinsamen Erfahrungen.

 

Dienstag, 18.10.2022

Berlin, Berlin, wie fahren nach Berlin.
Also so war der Plan – auch wenn wir schon Angst hatten, dass dieser nicht in Erfüllung geht, da der Reisebus eine halbe Stunde Verspätung hatte. Aber dann ging es doch nicht los. Im strömenden Regen sind wir in Berlin angekommen und starteten unseren Stadtrundgang am Brandenburger Tor. Naja nicht jeder hat Regen-Fotos vor dem Brandenburger Tor. Nach der Fotosession ging es weiter zum Holocaust-Mahnmal und anschließend die Straße Unter den Linden entlang. Das im Dauerregen – aber dafür sind wir in Berlin. Für fast alle der Gastschüler das Highlight der Woche, da war der Regen nicht so schlimm.
Natürlich darf bei einem Stadtbesuch in Berlin der Besuch eines der großen Einkaufszentren nicht fehlen. Also ab zum Shopping und raus aus dem Regen. Unsere Gäste machten Fotos als Andenken, aßen typisch Berliner Gerichte, shoppten Souvenirs und hatten (so wie wir selbst auch) einen tollen Tag in Berlin.
Die Rückfahrt nach Gommern war gefüllt mit Lachen und allerhand Gesprächen. Aber zugegeben, zuhause angekommen, waren wir echt kaputt und die Abendgestaltung war eher ruhiger. Außerdem war uns ja klar, dass die nächsten zwei Tage recht arbeitsreich sein werden.

 

Mittwoch, 19.10.2022

Projektarbeit zum Thema Nachhaltigkeit. Wir teilten uns in zwei etwa gleichgroße Gruppen ein.

Die erste Gruppe soll zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit Gesellschaftsspiele entwickeln, entwerfen und gestalten. Brettspiel, Kartenspiel, Mischung aus Beidem – alles war möglich. Der Blick auf die Blanko-Karten und die Blanko-Brettspielvorlagen sowie einer Vielzahl farbiger Stifte sorgte erstmal für große Fragezeichen, aber dann starteten wir mit einem Brainstorming und so nahm die Sache Fahrt auf. Recherchieren, Fragen und Antworten entwickeln, Brettspielgestaltung planen. Als Kleingruppen in der Arbeitsgruppe konnten wir unabhängig voneinander mehrere Spiele entwickeln.

Vor der zweiten Gruppe standen drei große blaue Pinnwände, viele bunte Stifte und eine Menge bunter Zettel in unterschiedlichen Formen. „Wie kann Schule nachhaltig Leben und Arbeiten?“ war unsere Fragestellung, um die wir uns kümmern sollten. Gemeinsam sammelten alle drei Nationen dieser Gruppe Ideen, suchten nach Möglichkeiten und machten sich Gedanken über mögliche Umsetzungsideen. Wir diskutierten, recherchierten und stellten schnell fest, dass es auch hier keine Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gibt. Die Schulen jedes Landes können an den gleichen Stellen ansetzen und haben dieselben Probleme. Wir sammelten und stellten eine große Liste auf.

Nachdem wir eineinhalb Stunden in der Gruppenarbeit vertieft waren, kam überraschend eine energiegeladene junge Frau mit ihrer Musikbox in den Raum und wir erfuhren, dass für uns ein HipHop-Kurs startet. Zwei Stunden intensives Training – gut anfangs zierten wir uns ein wenig, aber irgendwie hat es auch Spaß gemacht. Und nach dem Training waren wir echt etwas ausgepowert, da war es sehr gut, dass wir zum Mittagessen gehen konnten.

Frisch gestärkt mit neuer Energie konnten wir nun weiter an den Projekten arbeiten. Neben dem kreativen und denklastigen Arbeiten, gab es noch eine dritte Arbeitsstation. Bienenwachs-Tücher herstellen. Auch wenn viele von uns bisher noch nie gebügelt haben, dauerte es nicht lang, bis die ersten Tücher fertig geworden sind. Einige hatten so viel Spaß dabei, dass sie die Bügelstation nicht verlassen wollten und ein Tuch nach dem anderen herstellten.

An den Gruppentischen konnte man erste Entwicklungen sehen. Die weißen Spielbretter bekamen die ersten Farben, Karten ihre ersten Texte. An den Pinnwänden hingen in der jeweiligen Landessprache die Überschriften und weitere Elemente der Pinnwände entstanden.

Wir merkten gar nicht so recht, wie die Zeit verging, so dass der Schultag plötzlich endete. Nun hieß es ab nach Hause und etwas frisch machen, Abendbrot essen und dann wieder los. Denn am Abend hieß es „Alle 10!“. Gemeinsames Bowling – 54 Menschen auf sechs Bowlingbahnen, das hieß eine kuschelige Runde mit allerhand Spaß, Applaus, eigener Enttäuschung und sehr viel Lachen.

Wieder ging es toller Tag zu Ende.

 

Donnerstag, 20.10.2022

Heute hieß es nochmal an die Arbeit und die Projekte abschließen. Die Spiele sollten vor dem Mittagessen so weit fertig werden, dass sie nur noch in den Endschliff müssen. Die Materialien für die Pinnwände müssen so weit angefertigt sein, dass sie nach dem Mittag nur noch entsprechend der Planung angebracht werden müssen. Also noch mal konzentriert arbeiten bis halb zehn.

Halb 10 bis zum Mittag hieß es nochmal HipHop für alle. Ein paar neue Schritte, das Trainieren der Kombinationen und das Festigen des gesamten Tanzes. Abends bei der Abschlussveranstaltung ist die Aufführung des Tanzes ein Bestandteil des Programms.

Nach dem Mittagessen stellten wir die Projektergebnisse fertig und bereiteten die Mensa für die Abschlussveranstaltung vor. Die Pinnwände aus dem Keller in die Mensa auf die Bühne, die Bienenwachstücher nach Größe und Muster sortiert auslegen, die Spiele aufbauen. Als das fertig war, konnten wir erstmal noch nach Hause – schließlich mussten wir ja noch unsere Eltern und das Essen für das Buffet einpacken.

Um 18:30 Uhr eröffneten wir als Schülergruppe mit Frau Frentzel den Abend mit dem Song „We are the world“ – was passt besser zum Thema Zusammenwachsen und Nachhaltigkeit. Dies erzeugte direkt bei dem einen oder anderem Gast im Raum Gänsehaut. Dann kam die offizielle Begrüßung durch Frau Frentzel – Beschreibung des Wochenverlaufs, Danksagungen, kleine Anekdoten und die ein oder andere Träne vor Stolz schafften eine tolle und familiäre Atmosphäre.

Bevor die Projektergebnisse vorgestellt wurden, gab es Essen. Jeder hat was mitgebracht und der Buffettisch war gut gefüllt. Passend zum Thema Nachhaltigkeit, haben alle Gäste ihr eigenes Geschirr mitgebracht.

Nach dem Essen – man waren wir aufgeregt – haben wir unseren Tanz vorgeführt. Wir waren angespannt, aber hatten super viel Spaß. Alle fanden es toll und der Applaus wollte gar nicht enden.
Anschließend haben alle Gruppen die Ergebnisse auf Deutsch (wie sind echt stolz auf unsere Gastkinder) präsentiert und somit den Eltern und der Schulleitung, die auch zu Gast war, gezeigt, woran sie die letzten Tage gearbeitet haben.

Nach dem offiziellen Teil lernte der ganze Saal einen polnischen Volkstanz, die Lehrer und Elternhäuser tauschten sich über die Erfahrungen der letzten Tage aus und man konnte überall zufriedene Gesichter und gute Laune sehen.

Leider war der Abend viel zu schnell vorbei, aber wir mussten auch nach Hause. Für die ungarischen Gäste wird es eine kurze Nacht, da der Bus am nächsten Tag schon um sechs Uhr abfährt. Wir hatten gehofft, dass wir unsere Ergebnisse noch gemeinsam am nächsten Tag den Schülern in der Schule präsentieren können, aber die ungarische Regierung hat ganz strenge Vorgaben bezüglich des Schülerverkehrs, so dass sie leider nicht später fahren konnten.

 

Freitag, 21.10.2022

Abreise – Tränen, Umarmungen und Versprechen in Kontakt zu bleiben.

Sechs Uhr morgens ist echt hart, aber wenn wir verhindern wollen, dass die ungarischen Gäste irgendwo auf ihrer Reise für die Nacht im Bus schlafen müssen, sollten wir die Abreise nicht hinauszögern.
Es war echt überraschend und gleichzeitig schön anzusehen, dass sich die Gastkinder von ihren Tauschpartnern gar nicht trennen wollten. Immer wieder raus aus dem Bus und wieder umarmen. Es ist erstaunlich wie schnell man zusammenwachsen kann. Der Bus fuhr ab und wir standen winkend und sahen den Rücklichtern hinterher.

Acht Uhr morgens – da die ungarischen Schüler nicht mehr da waren, haben auch die polnischen Gäste entschieden, morgens Gommern zu verlassen.
Uns fiel der Abschied sichtlich schwer und nach langem hin und her, konnte der Bus los. Beinahe hätten wir den ein oder anderen deutschen Schüler mitfahren lassen, weil diese sich im Bus versteckt habe. Aber gut, der Abschied musste nun leider sein.

Nachdem die Gäste weg waren, haben wir mit Frau Frentzel den Projektraum aufgeräumt und die Projektergebnisse gesichert, schließlich brauchen wir die noch für die Ausstellung in der Schule.